1. November 2007

Ein Menschenleben, gemessen an der Zeit.

Nicht mehr lange, dann werde ich 45 Jahre alt.
Das ist heute am Durchschnitt gemessen, für männliche Erdenbewohner, schon ein Stückchen über die Hälfte des Weges.

Ich bin ja guten Mutes und fühle mich innerlich noch immer sehr jugendlich. :)
Aber heute gingen mir doch so Gedanken durch den Kopf...

Die Technik und die Fortschritte dort, sind ja ein sehr gutes Maß dafür, wie viele Zeiten man schon miterleben durfte.

Ausgangspunkt meiner Überlegungen war die Tatsache, dass wir ein neues Gerät angeschafft haben. Technikverliebt und -verspielt, wie ich nunmal bin, mußte ein Audio-Streaming-Client her. Die "Squeezbox" von Logitech ist es geworden. Mehr oder weniger ein Spontankauf im neu eröffneten "Alexa" in Berlin.
Diese kleine Box wird also an der Stereoanlage angeschlossen (auch digital per optischem Kabel), klinkt sich ins WLAN ein und streamed so Musik und Audio direkt ins Wohnzimmer.
Für mich eine Klasse Erfindung. Es gibt zwei Varianten, entweder über einen Softwareserver (Squeezeserver) der auf einem der PC's im Homenet läuft oder über einen Server im Internet (Squeeznetwork).
Mit einem großen Leuchtbuchstabendisplay und einer Fernbedienung, läßt sich die kleine Box bequem an der Stereoanlage steuern, über die Server aber auch vom PC aus.
So läßt sich nun also bequem die Welt mittels Internetradio oder auch Podcasts in das Wohnzimmer hohlen. Aber auch die eigene Musiksammlung läßt sich bequem durchblättern und zugänglich machen.
Natürlich enthält die Stereoanlage auch noch einen CD-Spieler. Aber das ist doch bedeutend mühseliger. Im Regal, also knieend davor, eine CD raussuchen, einlegen, abspielen...
Also habe ich die Scheiben gerippt, weil sie von der Festplatte via Homenet und Squeezebox viel bequemer zugänglich sind.

Und beim rippen kam mir der Gedanke, die CD ist tot!

Ja, es ist vorbei. Sie wird sich noch ein paar Jahre quälen, ohne Frage.
Aber eine große Zukunft wird die klassische Musik-CD nicht mehr haben.

Und das hat mich dann doch bedrückt. Ebend wollte ich sie selbst nicht mehr haben, hatte schon Gedanken im Kopf, wie ich sie loswerden könnte, wo doch nun alles prima auf der Festplatte liegt - aber dann tat sie mir doch Leid.
Diese Schnelllebigkeit...

Ich habe mich daran erinnert, wie ich als Teenie für mein erstes Tonbandgerät gespart habe. Es muß 1977 gewesen sein. Es war ein Tesla 950 (meine ich mich zu erinnern). Und es hat etwa 980,- Mark gekostet. Ein schickes Spulentonbandgerät. Die hatten eine bessere Tonqualität als die damaligen Kassettenrecorder. Deshalb habe ich lieber ein bissel länger gespart.
Und dann wurden vor allem Schallplatten von Freunden aufgenommen. Es war großartige Transistortechnik. Keine Röhren mehr, wie noch viel früher.
Später waren die Kassetten und Recorder dann auch schon weiterentwickelt und es war natürlich viel bequemer. Die Dinger wurden immer kleiner, bis zum Walkman, dem kleinen Cassettenplayer für unterwegs - und wie groß er doch war, gegen heutige mobile Geräte.
Aber die "gute Qualität" war immer noch nur auf der Schallplatte zu haben.

Und dann irgendwann (Ende der 80er?) kamen die CD's - und es war ein großartiger Fortschritt. Digitale Musik, kein leises Hintergrundrauschen in den stillen Pausen, wie bei den Platten.
Nun ja, und die Entwicklung nahm ihren Lauf.
Mein Kids haben heute tolle MP3-Player, mit kleinen Monitoren für Videos.
Das Netz ist allgegenwärtig und auch schon recht schnell.

Und da dachte ich an meine Großeltern. Menschen, die Anfang des 20 Jahrhunderts geboren worden sind. Die die Einführung des Radios und später des Fernsehens als große technische Revolutionen mit erlebt haben.
Schwere Röhrenradios, monophone Wiedergabe natürlich. Radios, die nach dem anschalten erst 3 Minuten brauchten, da die Röhren warm werden mußten. Und trotzdem geniale Erfindungen, zu ihrer Zeit. Ich habe solche Kisten noch gesehen!
Als später beim Fernsehen - alles nur in schwarzweiß natürlich - das Frequenzband erweitert wurde und die 2. Programme eingeführt wurden, gab es zunächst kleine Zusatzboxen, Konverter genannt, damit die alten Fernsehgeräte, die nur VHF Frequenzen demodulieren konnten, nun auch die UHF-Programme wiedergeben konnten.

Und daran erinnere ich mich, obwohl ich damals noch ein kleiner Junge war. Ich erinnere mich, dass meine Oma mit dieser Box Schwierigkeiten hatte. Es war alles zu kompliziert für sie. Warum da nun noch so eine Kiste neben dem Fernseher stand und warum sie zunächst den Fernseher auf einen freien VHF-Kananl einstellen mußte und dann an der Box den eigentlichen UHF-Kanal suchen.
Und für mich war das alles klar und einfach...

Und heute? Da frage ich mich, wo stehe ich heute? Z.B. bei der Bedienung des neuesten Mobiltelefons? Bin ich noch schneller als meine Kids? Fraglich!
Und wie wird es mir in 30 Jahren ergehen?

Und dann dachte ich an die Fototechnik!
Meine erste eigene Kamera war eine abgelegte Pouva-Start. Eine billige schwarze Plastikkamera für Rollfilm mit Negativen im 6x6cm Format. Zum Fotografieren mußte man das Objektiv aus der Kamera herausdrehen. Vorne gab es ein kleines Hebelchen mit einem Sonnen- und einem Wolken-Symbol, dass bei Bedarf vor die Offenblende eine engere Ringblende klappte.
Irgendwann konnte ich mir dann eine erste Spiegelreflexkamera leisten, eine EXA IIb. Dazu einen Handbelichtungsmesser und einen Prismensucher, um den Standard-Schachtsucher auszutauschen. Das war auch in den 80er Jahren. Ende der 80er hatte ich dann sogar ein Praktika MTL 50 - mit TTL-Belichtungsmessung!
Alles analog natürlich und zum Anfang hauptsächlich auf Schwarzweißfilm. Nicht weil es hipp war, sondern weil Farbfilme noch sehr teuer waren und vorallem die Bildentwicklung.
Irgendwann habe ich eigene Dunkelkammererfahrungen sammeln können. Fotochemie.
Wie spannend - und wie vergessen schon heute!

Früher habe ich mich oft gefragt, warum erzählen meine Großeltern nicht öfter mal aus der "alten Zeit". Obwohl sie eigentlich oft davon erzählt haben. Oder, warum schreiben sie nicht all die spannenden Erinnerungen auf.
Heute hat sich mir dafür so ein Verständnis eröffnet.
Für den, der die Zeiten durchlebt hat, sind das alles ganz normale Dinge, "das weiß doch jeder" denkt man sich, "nichts besonderes". Für die Kids aber, ist das alles graue Vorzeit und irgendwie historisch.

Und so dachte ich mir, ich schreibe zumindest mal ein paar Zeilen in diesen Blog.
Genau diese Zeilen hier.
Falls irgendein Urenkel mal recherchiert, und voller Fragen und Spannung über die "alten Zeiten" nachdenkt. ;-)
Hallo Du, ich grüße Dich! Welches Jahr schreiben wir heute?

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